Machbarkeitsstudie zum Thema"Wie könnte eine internationale Vergleichsstudie zur beruflichen Bildung aussehen?"

Bei diesem Projekt, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) gefördert wurde und vom SOFI in Kooperation mit dem Seminar für Wirtschaftspädagogik der Universität Göttingen (Prof. Dr. Frank Achtenhagen) durchgeführt wurde, ging es um die Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie für ein large scale assessment in der beruflichen Bildung.
Die besondere Herausforderung einer solchen groß angelegten Vergleichsstudie liegt in der institutionellen Heterogenität der Berufsbildungssysteme. Es gibt innerhalb Europas rein schulische Berufsausbildungssysteme sowie vielfältige Varianten der Kombination von betrieblicher und schulischer Ausbildung, unter denen das "duale System" der Bundesrepublik mit der sehr starken Position der Betriebe eine Sonderstellung einnimmt. Zum Vergleich der Leistungsfähigkeit unterschiedlicher institutioneller Organisationsformen, die historisch gewachsen sind, sich zur Zeit aber auch ändern, sind large scale assessment-Untersuchungen, wie sie im Rahmen der PISA-Studie für die allgemeinbildenden Schulen durchgeführt wurden, besonders gut geeignet. In der Machbarkeitsstudie war zu prüfen, welche europäischen Länder, aber auch welche außereuropäischen Länder (z.B. USA, Japan, Australien) einbezogen werden sollten.
Im Zentrum einer "PISA-Studie zur beruflichen Bildung" sollte die Frage stehen, wie die unterschiedlichen Systeme die ihnen zugewiesene Aufgabe, junge Menschen auf das Berufsleben vorzubereiten und zugleich ihre Persönlichkeit zu fördern, wahrnehmen. Damit ging es vor allem um drei zentrale Aspekte:

1. Wie wird die individuelle berufliche Handlungsfähigkeit entwickelt?
2. Wie werden die gesellschaftlichen Bildungsressourcen gesichert?
3. Wie werden die Funktionen einer Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und der formalen und materialen Chancengleichheit gesichert?

Die Machbarkeitsstudie sollte zum einen ermitteln, welche Kompetenzen mit welchem Ausprägungsgrad in verschiedenen Formen der beruflichen Bildung erworben werden, zum anderen, wie erworbene Kompetenzen sich in der Arbeit für die individuelle Biographie und auf dem Arbeitsmarkt verwerten lassen.
Gegenwärtig sind auf europäischer Ebene verstärkt Ansätze zur institutionellen Vereinheitlichung der beruflichen Erstausbildung zu beobachten. Von daher sollte es einer Vergleichsstudie zum einen darum gehen müssen, typische institutionelle Ausbildungsarrangements in ihren Veränderungstendenzen zu identifizieren. Vor allem aber kommt es darauf an zu klären, was tatsächlich, d.h. jenseits von Zertifikaten (Zeugnissen), geleistet wird und wie sich die Unterschiede des Ausbildungserfolgs innerhalb und zwischen nationalen Berufsbildungssystemen darstellen.
Das Forschungskonsortium brachte in die Planung der Machbarkeitsstudie seine spezifischen Kompetenzen ein: Das Soziologische Forschungsinstitut ist in hohem Maße auf die Untersuchung von makrostrukturellen Bedingungen der beruflichen Aus- und Weiterbildung spezialisiert, während das Seminar für Wirtschaftspädagogik vornehmlich Lehr-/Trainings- bzw. Lern-/Arbeitsprozesse erforscht, d.h. den mikrostrukturellen Bereich.
Für die Erarbeitung der Machbarkeitsstudie waren dem Konsortium Mittel bewilligt worden, die neben der Unterstützung der Arbeit in den beiden Instituten auch die Konsultation weltweit führender Expertinnen und Experten gestatten. Zwei internationale Workshopswaren ein wichtiger Bestandteil des Projekts, auf dem angesichts der großen Probleme in der Berufsbildung in den meisten Ländern der EU eine hohe politische Aufmerksamkeit liegt.