Projektinhalt

Das Soziologische Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) ist einer von elf Verbundpartnern aus Hochschul- und Forschungseinrichtungen, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgewählt wurden, ein neues "Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ)" aufzubauen. Das dezentrale Institut wird sich anhand multidisziplinärer Forschungsarbeiten mit Fragen von Zugehörigkeit und Teilhabe in einer pluralistischen Gesellschaft befassen. Ziel ist es, Vorschläge zu entwickeln, um aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen, wie wachsenden sozialen Spaltungen, zu begegnen.

Nach einer eineinhalb Jahre dauernden Aufbauphase, in der die elf beteiligten Einrichtungen (die Technische Universität Berlin mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung, die Universitäten Bielefeld, Bremen, Frankfurt am Main, Halle-Wittenberg, Hannover mit dem Leibniz Forschungszentrum TRUST, Konstanz und Leipzig, das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung Hamburg, das Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft Jena und das SOFI) ein tragfähiges Forschungsprogramm entwickeln, soll das neue Institut Mitte 2020 seine Arbeit aufnehmen.

Das SOFI widmet sich im Rahmen des bundesweiten Instituts unter der Leitlinie "Praxis des Zusammenhalts" Fragen nach der Gestaltung der Zukunft der Arbeit im digitalen Wandel und nach der Verantwortung für öffentliche Güter. Denn Teilhabe an Erwerbsarbeit und ein leistungsfähiger Rechts- und Sozialstaat sind wesentliche Faktoren des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland und Europa. Erwerbsarbeit und betriebliche Strukturen beeinflussen zentral Lebenschancen und -führung; zugleich entfalten öffentliche Institutionen materielle, rechtliche und soziale Bindekräfte. Doch diese Bindekräfte geraten unter Spannung. Zum einen durch den technologischen Wandel, der unter dem Stichwort "Digitalisierung" adressiert wird. Betriebliche Arbeitswelten werden brüchig, Erwerbsbiografien verlieren an Stetigkeit, neue Konflikte um Kontrolle, Gestaltung und Mitbestimmung brechen auf. Zum anderen verlieren öffentliche Güter als starke Infrastrukturen des Zusammenhalts an Selbstverständlichkeit. Wer trägt – insbesondere in der Fläche – die Verantwortung für gesellschaftlich notwendige Dienste und Güter? In welchem Verhältnis stehen Gemeinwohl und Einzelinteresse in einer Gesellschaft, die sich in ihren demografischen Strukturen verändert und deren Ungleichheitsgefüge sich polarisiert? Eine regional verteilte und vergleichende qualitative Paneluntersuchung wird überdies auf methodisch innovative Weise die "soziale Praxis des Zusammenhalts" in den Blick nehmen und die Arbeits- und Lebenswelten von Haushalten ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken, ebenso auch die Infrastrukturen und öffentlichen Güter, die gesellschaftlichen Zusammenhalt ermöglichen. Das SOFI trägt mit diesen Fragen nach der Gestaltung der Zukunft der Arbeit, der Gewährleistung bzw. Verantwortung für öffentliche Güter sowie der Arbeits- und Lebenswelten von Haushalten zur Forschungspraxis und Gegenwartsanalyse des FGZ bei.